Felix Loch führt nach den ersten beiden Läufen. Der Rodelwettbewerb hat begonnen. Ohne Nodar Kumaritaschwili. Der 19jährige Georgier ist tot. “Selbst schuld – Fahrfehler,” heißt es unisono vonseiten der Organisatoren und der Bahnkonstrukteure. Lediglich Joseph Fendt, der Präsident des Weltverbandes stellte fest, die Bahn sei aufgrund eines Planungsfehlers 20 km/h zu schnell.
Bereits vor dem Tod des Georgiers hatte die einzige australische Rodlerin in Vancouver, Hannah Campbell-Pegg, nach ihren Trainingseindrücken gesagt: “I think they are pushing it a little too much,” Campbell-Pegg said. “To what extent are we just little lemmings that they just throw down a track and we’re crash test dummies? This is our lives.” Es sind unsere Leben. Sportler sehen sich selbst als Lemminge und Crashtest-Puppen. Mal wieder ein Beweis dafür, wie weit der eigentliche Sport und die Funktionärsebene sich mittlerweile voneinander entfernt haben.
Hannah Campbell-Pegg weiß, wovon sie redet. Sie stürzte vor 6 Jahren in Calgary und wachte erst Stunden später mit schweren Kopf- und Rückenverletzungen in einer Intensivstation auf. Nach dem Unfall von Vancouver bekam sie vorsorglich vom Australischen Olympischen Komitee einen Maulkorb verpasst.
Der georgische Präsident Saakaschwili sprach auf einer Pressekonferenz auch von einem “menschlichen Fehler” – hängte dann aber einen sehr bemerkenswerten Satz an:
“(…) I believe that any human error should not lead to the death of an athlete.”
Wie wahr. Sport sollte das Leben schöner, spannender, angenehmer machen. Er sollte es nicht beenden. Auch nicht, wenn man mal einen Fehler macht. Das wäre die Aufgabe für die Bahnkonstrukteure: Bahnen zu bauen, die Fehler verzeihen – und die Fehlerfreien mit guten Zeiten belohnen.
Hier noch ein paar weiterführende Artikel und Kommentare:
Kommentar von Jens Eberwein auf ard.de



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