Szene in Falkensee 10

25. Oktober 2010
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Au weia, schon wieder wird ein neuer Betreiber für das Haveleck gesucht. “Zauberhaftes Ambiente, großzügige Flächen”, heißt es in einer Anzeige auf Immobilienscout24. Gerade erst Ende Mai war Eröffnung gewesen, nun ist die “Geschäftsaufgabe aufgrund von Überbelastung” angekündigt. Zumindest steht es so in der Anzeige. Der Betrieb geht vorläufig weiter – heute war auf jeden Fall noch geöffnet. Im Idealfall soll das Haveleck wohl nahtlos an den nächsten Betreiber übergeben werden – “zahlreiche Reservierungen für Festivitäten von Geburtstagen, Weihnachtsfeiern weiterhin vorhanden”, verspricht der Anzeigentext.

Die Öffnungszeiten wurden im Oktober bereits reduziert, Dienstag bis Donnerstag ist nur noch von 15-22 Uhr geöffnet, Freitag und Samstag von 12-23 Uhr und am Sonntag, an dem weiterhin das Brunchbuffet von 10.30 bis 14.30 angeboten wird, sind Küche und Tresen von 10-21 Uhr besetzt. Der Spare Ribs Day am Dienstag und der Pasta Day am Mittwoch bleiben, das Scampi-Angebot und der Hamburger Day, die sich  donnerstags abgewechselt hatten, fallen weg.

Tja, da darf man also wieder gespannt sein, was sich dort in nächster Zeit tut. Ob die Überlastung, die in der Anzeige angeführt wird, der einzige Grund ist – darüber kann man natürlich spekulieren. Aber eine solche Gaststätte neben fünf (!) Friseursalons zusätzlich zu betreiben, ist sicher anspruchsvoll – auch für eine erfahrene Geschäftsfrau wie Christine Moll-Schwenker, die halb Falkensee nur als “Molly” kennt.

Stressige Doppelbelastung war offenbar auch bei Francesco Bellomo angesagt – der Chef der Trattoria Lucania hatte sich ja gleichzeitig in der neuen Villa Seeblick engagiert. Hatte – die Vergangenheitsform ist korrekt, denn Franco ist wieder raus aus dem Nobel-Restaurant. Da gab es wohl möglicherweise Uneinigkeit mit den Lipsmeiers, also den Inhabern, über die Ausrichtung des Hauses.

In der ehemaligen “Auszeit” am Bahnhof tut sich nach wie vor nichts. Auch das Gerücht, dass die Betreiberfamilie des “Interfood” sich dort engagieren werde, stimmt wohl nicht. Aber, wie schon geschrieben, habe ich weiterhin etwas von einer Tapas-Bar gehört – bin mal gespannt, ob es stimmt.

Und noch kurz ein Rückblick auf vergangenen Samstag. Ich habe ja lange nicht mehr so einen Spaß gehabt wie beim Auftritt der “Desperado 5″ im “schrääg rüber” – Rock’n'Roll und Rockabilly pur. Das Publikum unterschied sich deutlich von dem, das normalerweise das Schrääg bevölkert – die meisten Gäste waren jenseits der 40. Ich bin mir in Einzelfällen sogar sicher, dass bei denen die 60 schon gefeiert worden ist. Aber Alter schützt vor Rock’n'Roll nicht – und zudem war die Atmosphäre unglaublich entspannt und freundlich. Die Band ließ sich zwar lange bitten und begann erst um 22 Uhr zu spielen – aber von da an war allerbeste Stimmung in der Bude.

Nach zwei Songs hatte Bassist Thomas erst einmal seinen Kontrabass zerlegt – der Steg wollte nicht halten. Kurze Pause, Steg wieder reingebastelt, neu gestimmt – die nächsten Songs. Kurz darauf flutscht dieses Holzteil, das die Saiten im unteren Bereich des Instruments vom Klangkörper weghält, wieder raus. Was macht man da? In einer Kneipe von Welt gibt es dann einen Ersatz-Kontrabass. Kein Scherz – Anne, die im Schrääg arbeitet, ist Kontrabassistin – und hatte ihr Instrument tatsächlich dabei. Schnell ins Lager, Kontrabass ausgetauscht – und weiter gerockt. Zwischenruf aus dem Publikum: “Aber nicht das Schlagzeug ruinieren – da haben wir keinen Ersatz!”

In der Pause nach dem ersten Set hatte Thomas dann seinen Bass repariert – dennoch wurde auch Anne auf die Bühne gebeten, um für zwei Titel mitzurocken, Thomas machte Zigarettenpause. Ob das nun von vornherein so abgesprochen und nur ein Gag war, weil man sich kennt – ich weiß es nicht. Aber insgesamt hat es einfach großen Spaß gemacht. Die Mini-Tanzfläche war brechend voll, so wie der Rest des Hauptraumes – mal schnell ein frisches Bierchen zu holen, war durchaus ein Akt. Service am Tisch ist bei den Live-Konzerten unmöglich – das geben die Räumlichkeiten einfach nicht her. Also jedesmal durchdrängeln bis zum Tresen – was aber auch immer wieder zu netten Unterhaltungen führte und nicht zu Gemecker. Der freundliche Umgang dieses 40+-Publikums war beeindruckend – vom Altrocker bis zum Biedermann war jede Facette vertreten.

Fast schon bemitleidenswert war die Fraktion der jüngeren Leute, die mit dieser Musik nichts anfangen konnten – sie saß draußen und rauchte vor sich hin, kam zwischendurch mal schnell rein, um sich einen Drink zu besorgen – und war schnell wieder draußen. Es sollte sich nichts ändern – Desperado 5 spielten bis halb Zwei.

Und drinnen rockten die Alten ab.

Wer mal einen kleinen Eindruck bekommen möchte, dem sei ein Youtube-Video von einem anderen Auftritt der Desperado 5 empfohlen (die Tonqualität ist mies und im Schrääg war es vor der Bühne wesentlich voller….):

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2 Responses to Szene in Falkensee 10

  1. Torsten on 24. November 2010 at 13:31

    Und drinnen rockten die Alten ab…

    Klasse! Im Schräääg ist wenigstens ab und zu auch für unsere Altersgruppe mehr geboten als: Klassik, “schöne Akustik Gitarren” und HochKultur…

    Rock´n Roll ist und war noch nie ausschließlich eine Sache der Jugend. Schaut euch doch die Mainstream – Rock – Stars an…Wie alt sind die heute? Wir sind z.B. seit 30 Jahren unterwegs und frönen der bunten und vielschichtigen Welt der Live – Musik in vollen Zügen.

    Leider, leider gibt es in Falkensee keinen richtigen Live Club. Für mich unverständlich bei 40.000 Einwohnern. Also ab ins Schrääge…diese Kneipe mit Musik passt in jedem Fall!

    Musik ist das Beste!
    Torsten

  2. Arthur Lübben on 4. November 2010 at 16:37

    Zwischen Trattoria und Kreisbar gab es im Haveleck noch das
    XXL-Restaurant „Petra und Arthur“.
    Das sind nämlich wir. Meine Frau und ich.

    Wir führten dieses Restaurant 1 Jahr lang und boten unseren Gästen
    Riesenschnitzel XXL und Riesen-Burger an.
    Vielleicht erinnert sich der eine oder andere gute Esser!

    Ebenso gab es sonntags einen Brunch mit ca. 15 warmen und ebenso vielen
    kalten Speisen zur Auswahl.

    Auch bei uns ist es „bombig“ gelaufen.

    Doch ganz egal, wie gut es läuft, dieses Haus, das Haveleck, rechnet sich
    nicht bezogen auf die enormen Kosten.

    Das Haus sieht nach außen super aus – aber der Allgemeinzustand täuscht – und man muss im Winter heizen ohne Ende.

    Die im Dachboden installierte Mega-Heizanlage frisst enorme Energie,
    dennoch sind die Gasträume kühl. Man braucht zusätzlich noch Radiatoren.

    In der Küche benötigten wir einen Konvektomaten, Friteusen, Salamander,
    einen Gasherd und mehr – alles Energiefresser!

    Trotz eines hohen Abschlages an Gas und Strom hatten wir eine
    Nachzahlung von ca. 4000.- €

    Unsere Miete betrug mtl. 2700.- €
    Die Nebenkosten ca. 3000.- €

    Wie will man diese Kosten auf Essen und Getränke kalkulieren?
    Gar nicht, denn es geht nicht.

    Jeder, der ein Objekt dieser Art mietet, geht hoffnungslos baden.

    Und wieso in Gottes Namen ist eine Friseurin der Meinung,
    ein Restaurant leiten zu können?

    Vielleicht noch ein Hinweis für die nächste Gesetztesänderung:
    sollten Gastronomen nicht auch eine berufliche Qualifikation haben?
    Schließlich arbeitet man doch mit Lebensmittel!
    Wenn man diesen Beruf gut beherrschen will dauert die Ausbildung
    mind. 3 Jahre und viele Wanderjahre!

    Der Nächste bitte!

    Petra und Arthur

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