Sommerwetter, wolkenloser Himmel. Plötzlich ein Dröhnen. Über den Baumkronen erscheint ein Hubschrauber, der einen feinen Nebel hinter sich herzieht. Droht hier etwa ein Absturz? Ist es gar ein terroristischer Anschlag? Teilwesie sind Straßenabschnitte gesperrt. Die Anwohner laufen nach draußen und schauen fragend in den Himmel. Achselzucken. Einer hat was gelesen: “Es geht um die Spinner.” Aha.
Das Internet gibt Aufschluss: “Ab Mittwoch, 2. Mai 2012 werden rund 555 Hektar Kreisgebiet überflogen und die Nachtfalterraupen aus der Luft mit dem Bakterium „DIPEL ES“ besprüht,” heißt es auf falkensee.de. Es geht um die Raupen des Eichenprozessionsspinners, deren feine Härchen heftige allergische Reaktionen auslösen können.
Nac hdem die Bekämpfung vom Boden und von Steigern aus im vergangenen Jahr nicht den erwünschten Erfolg brachte, ging man nun zum “Luftangriff” über. So weit, so gut. Aber was hat man uns da auf die Köpfe gesprüht? Was ist eigentlich “DIPEL ES?“
Laut Hersteller handelt es sich um ein biologisches Insektizid, das die Raupen am Fressen hindert. Bienen, Wespen oder andere Insekten sollen laut Datenblatt nicht geschädigt werden. In Bezug auf Menschen steht darin, dass beim Umgang mit dem Mittel Schutzkleidung zu tragen ist. Es darf auch nicht auf Lebensmittel gelangen, das Aerosol darf nicht eingeatmet werden, also genau das, was man in der Luft verteilt hat. “Mit Produkt verunreinigte Kleidungsstücke unverzüglich entfernen,” heißt es im Sicherheitsdatenblatt.
Im Klartext: Wenn der Helikopter das Zeug ablässt, darf ich zu dieser Zeit auf keinen Fall auf meiner Terrasse sitzen und frühstücken. Warum informiert man uns dann nicht vorher? Auf der Website der Stadt heißt es, man werde Informationen an die Anwohner verteilen. Genau das ist aber offensichtlich nur unzureichend geschehen.
Schulen, die besprüht wurden, hatten ganz normal Unterricht. Den Kindern wurde lediglich gesagt, sie sollen die Fenster schließen. Update: In der Lessingschule waren sogar noch Kinder auf dem Schulhof – mit dem Sprühvorgang wurde trotzdem begonnen, berichtet die Mark-Online.
Gleichzeitig aber wurde beispielsweise der Waldfriedhof in Brieselang bis Freitag gesperrt, berichtet der stellvertretende Vorsitzende der Falkenseer SPD Franc Heinrihar auf Facebook und fragt sich, wie das zusammen passt.
“Behandelte Flächen/Kulturen erst nach dem Abtrocknen des Spritzbelages wieder betreten,” sagt die Bedienungsanleitung. War das bei der nächsten Hofpause in den Schulen schon der Fall?
Andere User berichten, dass in Finkenkrug parallele Straßen besprüht wurden, die Anwohner der Querstraßen aber nicht informiert worden waren. Ich wohne selbst so dicht am Lise-Meitner-Gymnasium, dass ich bei dortigen Veranstaltungen nicht nur die Musik hören, sondern sogar die Titel identifizieren kann.
Aber unmittelbare Nähe zu den versprühten Chemikalien ist für die Stadtverwaltung offenbar kein Grund, darüber auch in den Nebenstraßen zu informieren oder gar die Schüler davon fernzuhalten. Wenigstens auf der Homepage der Stadt gab es weiterführende Informationen, zu denen man sich aber auch erst weiterklicken muss.
Meiner Meinung nach ist das zu wenig, wenn den Bürgern ein Insektizid über den Kopf gekippt werden soll, das man laut Beipackzettel weder über Nahrung noch durch Einatmen aufnehmen soll. Dieses Verhalten (oder besser Geheimhalten) der Stadtverwaltung ist schlicht skandalös – selbst wenn es den Vorschriften entsprochen haben sollte.







Vielleicht hofft man ja auf natürliche Auslese bei den Menschen. So wie die Insektizidsache sie ja auch bei den Viecherln fördert, denn die nächste Generation wird nur aus den Spinnern bestehen, die das Besprühen überlebt haben.
Absammeln und abkochen wäre sinnvoll, aber genau wie das Informieren wohl zu viel Aufwand.
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Nicht nur die fehlende Information, sondern das Verfahren an sich ist skandalös. Es zeugt von gefährlicher Ignoranz, eine gesundheitsgefährdende Substanz “einfach mal so” in die Umwelt zu verteilen (und damit sozusagen den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben).