Sie will nur tanzen

17. März 2012
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Kommt man in Falkensee mit wenigstens sechsstelligen Beträgen an, um sie zu investieren, dann wird man mit offenen Armen empfangen und der Weg wird bereitet. Ist das Budget  kleiner, aber dennoch die Absicht da, etwas auf die Beine zu stellen – dann muss man auf die Konsistenz seiner Gesichtsknochen aufpassen, weil einem ständig Türen vor der Nase zugeschlagen werden.

 

In ganz Falkensee stehen haufenweise Gewerbeobjekte leer und dennoch ist es für eine Tanzschule seit 3 Jahren nicht möglich, hier einen regulären Betrieb aufzunehmen. Zur Zeit ist Sabrina Schuh von der “Tanzschuhle” mit ihren Kursen zur Untermiete im Fitnessstudio “activewell” an der Straße der Einheit untergekommen. Aber eine endgültige Lösung kann das auch nicht sein.

In seinem Blog hat Sabrinas Mann Christian nun in einem Offenen Brief an die Stadt Falkensee aufgelistet, was die beiden schon versucht haben und warum der Anlauf jeweils ins Leere lief. Über 20 Optionen wurden geprüft. Ohne Erfolg. Oft standen Bedenken wegen einer möglichen Lärmbelästigung der Nachbarn im Raum. Jeder will, dass sich was tut in Falkensee – aber nicht vor seiner Haustür. Genehmigungen? Keine Chance.

Außerdem taucht häufig die Aussage auf, das Objekt sei zu teuer oder man wolle gar nicht vermieten. Christian ruft Vermieter, Makler und Eigentümer auf: “Traut euch mal was! Seid doch froh wenn sich jemand findet der eure Immobilie mieten möchte, warum lasst ihr eure Objekte lieber leerstehen nur weil ihr auf seltsamen Vorstellungen beharrt.

Das habe ich mich auch schon oft gefragt – und deshalb versucht, mich ein wenig in die betreffenden Teile des Steuerrechtes einzulesen. Denn da liegt der Hase im Pfeffer. Vorab: Ich bin juristischer Laie und übernehme keine Garantie für die Richtigkeit meiner Darstellungen – aber soweit ich es verstanden habe, läuft die Nummer so:

Ein Besitzer von Immobilien, die vermietet werden sollen, setzt jährlich 2% des Gebäudewertes für den Substanzverlust steuerlich ab. Basis dafür ist der Ertragswert – im Prinzip die Summe der erwarteten Mieteinnahmen. Je höher diese kalkuliert werden, desto mehr kann man absetzen. Geht man mit der Miete runter, wird es entsprechend weniger.

Eine weitere Rolle spielt oft die Kreditlinie, die eine Bank anhand des Ertragswertes festlegt. Diese müsste man nach unten abändern, wenn man die Miete senkt – das ist oft nicht gewollt. Auch der Verkaufswert sinkt, wenn Mietverträge niedriger abgeschlossen werden – er berechnet sich ebenfalls durch den Ertragswert.

Ist ein Objekt vermietet, muss der Besitzer die Einnahme seinem sonstigen Einkommen hinzurechnen – seine Steuerlast steigt und durch die Progression auch der Steuersatz.

Vermietet er ein Objekt NICHT, kann er die NICHT erzielten Einnahmen über Jahre als Verlust steuerlich geltend machen. Sein “zu versteuerndes Einkommen” sinkt – und damit auch der Steuersatz.

Zudem gibt es bei Firmen oder Konzernen, denen Immobilien gehören, auch noch bilanztechnische Gründe, die einen Leerstand attraktiv machen.

Fazit: Aus finanztechnischer und wirtschaftlicher Sicht kann man den Vermietern oft noch nicht einmal einen Vorwurf machen, denn sie wollen ihr angelegtes Geld vermehren. Die gesetzlichen Vorgaben sind einfach so bescheuert, dass bisweilen Leerstand lukrativer ist als Vermietung. Und schließlich versuchen wir doch alle, Steuern zu sparen und mehr in der Tasche zu haben.

Für Sabrina Schuh heißt das allerdings: Sie will etwas auf die Beine stellen, aber niemand lässt sie. Vielleicht sollte sie sich auf Aqua-Dancing spezialisieren. Denn beim geplanten Bewegungsbad gingen ganz schnell alle Türen auf für den Investor – Grundstück, Fällgenehmigung, Baugenehmigung – alles kein Problem.

Da ist eine “Tanzschuhle” dann wohl doch ein zu kleiner Fisch. Man will “nur mieten”. Keine Millionen investieren. Da bleiben die Türen zu.

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4 Responses to Sie will nur tanzen

  1. Sushifreund on 24. Mai 2012 at 14:18

    Was ist denn an dem Gerücht drann, dass jetzt eine Lokation in der Poststr. gefunden wurde?

  2. [...] In ganz Falkensee stehen haufenweise Gewerbeobjekte leer und dennoch ist es für eine Tanzschule seit 3 Jahren nicht möglich, hier einen regulären Betrieb aufzunehmen. Weiterlesen…. [...]

  3. Falkensee-Blog 19. March 2012 | Havelland on 20. März 2012 at 00:02

    [...] Sie will nur tanzen Kommt man in Falkensee mit wenigstens sechsstelligen Beträgen an, um sie zu investieren, dann wird man mit offenen Armen empfangen und der Weg wird bereitet. Ist das Budget  kleiner, aber dennoch die Absicht da, etwas auf die Beine zu stellen – dann muss man auf die Konsistenz seiner Gesichtsknochen aufpassen, weil einem ständig Türen vor der Nase zugeschlagen werden.   In ganz Falkensee stehen haufenweise Gewerbeobjekte leer und dennoch ist es für eine Tanzschule seit 3 Jahren nicht möglich, hier einen regulären Betrieb aufzunehmen. Zur Zeit ist Sabrina Schuh von der “Tanzschuhle” mit ihren Kursen zur Untermiete im Fitnessstudio “activewell” an der Straße der Einheit untergekommen. Aber eine endgültige Lösung kann das auch nicht sein. In seinem Blog hat Sabrinas Mann Christian nun in einem Offenen Brief an die Stadt Falkensee aufgelistet, was die beiden schon versucht haben und warum der Anlauf jeweils ins Leere lief. Über 20 Optionen wurden geprüft. Ohne Erfolg. Oft standen Bedenken wegen einer möglichen Lärmbelästigung der Nachbarn im Raum. Jeder will, dass sich was tut in Falkensee – aber nicht vor seiner Haustür. Genehmigungen? Keine Chance. Außerdem taucht häufig die Aussage auf, das Objekt sei zu teuer oder man wolle gar nicht vermieten. Christian ruft [...] [...]

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