Schlecht, aber teurer

29. Dezember 2010
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Das ist doch die Antwort auf die Winterprobleme bei der Bahn, auf die geplagte Kunden gerade noch gewartet haben: Die Fahrpreise im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg VBB gehen zum Jahreswechsel rauf. Die S-Bahn ist zwar nur mit 40% der geplanten Wagen unterwegs und hat einzelne Strecken ganz stillgelegt, die Regionalzüge haben, wenn sie denn an den schneebedeckten Bahnhöfen überhaupt ankommen, oft bis zu einer Stunde Verspätung und die BVG hat ihr Busangebot spürbar ausgedünnt. Trotzdem schaufeln sich die im Verkehrsverbund beteiligten Unternehmen mal eben zusätzliche 28 Millionen in die Taschen.

Die normale Fahrkarte ABC wird um satte 7% teurer und kostet ab dem 1.Januar 3 Euro – der Monatskartenpreis steigt um knapp 3% auf 91 Euro. Es trifft also besonders die Pendler, die (so wie es sich besonders die Bündnisgrünen ja wünschen) mit der Bahn von Falkensee zur Arbeit nach Berlin fahren. Fahrscheine zum alten Preis dürfen bis zum 14.Januar weiter benutzt werden, danach muss man sie gegen Bezahlung der Erhöhung umtauschen.

Ich meine, mich zu erinnern, dass der Preis für ein Monatsticket vor zehn Jahren, als ich auch täglich nach Berlin reinfuhr, damals schon auf genau diesem Niveau lag. Allerdings waren es noch D-Mark-Zeiten. Eine Verdoppelung in zehn Jahren – wenn das doch auch mit den Einkommen und Geldanlagen passiert wäre.

Der Zeitpunkt dieser Erhöhung ist natürlich aus PR-Sicht extrem ungünstig – so mitten im Winterchaos. Beschlossen wurde sie allerdings bereits im Sommer, als die Bahn regelmäßig fuhr und alle versprachen, aus dem vergangenen Winter gelernt zu haben. Obwohl: War da nicht auch was? (Kurz zur Erklärung: Sommer ist eine Zeit, wo man häufig eine gelbe Scheibe am Himmel zu sehen bekommt, die Licht spendet – und sogar auch Wärme.) Stimmt, da waren es die Klimaanlagen der ICEs, die ausfielen und den Gästen ausgedehnte Gratis-Saunagänge verschafften bis hin zur Krankenhausreife. Es scheint, als gebe es derzeit keine günstigen Zeitpunkte für Preiserhöhungen bei der Bahn – irgendwas ist immer.

Zum Trost für die Berliner und Brandenburger: Die Bahnen fahren zwar selten bis gar nicht – aber dafür sind wir hier immer noch vergleichsweise billig dran. In München kostet ein mit dem Berliner ABC-Ticket vergleichbarer Fahrschein satte 10 Euro – kein Scherz. Und die Monatskarte ist etwas mehr als doppelt so teuer wie bei uns. Als Gegenleistung gibt es in Bayerns Hauptstadt allerdings auch die ganze Woche hindurch ein Nachtbussystem, das gemeinsam mit den S-Bahnen auch Vorort-Bewohner nach einer Party in der großen Stadt noch nach Hause bringt – davon können Falkenseer nur träumen. Und die Bahnen dort fahren auch, wenn es schneit. Auch das kennt man hierzulande nicht.

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