Campushalle kommt – und was noch?

16. Mai 2012
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Wird Falkensee eine Stadt mit Zentrum oder nicht? Die Debatte ist in vollem Gange, kürzlich hatte sich die “Interessengemeinschaft Zentrum” formiert, um mitzudiskutieren. Um erst einmal mehr Fakten und Einblicke in den aktuellen Planungsstand zu bekommen, hatte die IG Thomas Zylla, den Baudezernenten der Stadt zu einem Gespräch eingeladen. Zylla kam – und brachte gleich seinen Chef mit, Bürgermeister Heiko Müller.

IG Zentrum trifft Falkensees Bürgermeister Heiko MüllerGleich zu Beginn der Frage- und Antwortrunde wurde klar, dass eines der Anliegen der IG Zentrum sofort wieder in den Papierkorb wandern kann. Über die Zwillingshalle, die zwischen Europaschule und dem Pendlerparkplatz an der Scharenbergstraße entstehen wird, muss nicht mehr debattiert werden. “Die Campushalle kommt,” stellte Müller unmissverständlich klar. Bereits Mitte Juni wird der Bauantrag eingereicht, die Unterlagen sind praktisch fertig. Noch 2012 soll die Baugenehmigung erteilt werden.

Stadthalle kommt weg

Stadthalle FalkenseeDamit sind auch die Tage der alten Stadthalle gezählt – es sei denn, es käme kurzfristig noch ein Interessent um die Ecke, der auf eigene Kosten die Sanierungsfähigkeit prüft und eine Verwendung für das Gemäuer hat – “von seiten der Stadt ist für die Halle keine Funktion mehr vorgesehen,” stellte Müller klar.

Das gefällt besonders einigen Alt-Falkenseern nicht, die sich der IG angeschlossen haben und die teilweise damals am Bau beteiligt waren. Eine Sanierung hätte aber sicherlich genau so viel Geld verschlungen wie ein Neubau, erklärte Müller – man hätte also für denselben Preis eine nagelneue Sporthalle bekommen.

Weil gleichzeitig auch eine Veranstaltungshalle geplant wurde, legte man die beiden Projekte kurzerhand zusammen – Resultat: die nun geplante Zwillingshalle, bei der, so der Bürgermeister, durch Synergie-Effekte bei Heizungs- und Sanitäranlagen sowie anderen Versorgungseinrichtungen wiederum gespart werden kann.

Verkehrsplanung ist offen

Hier entsteht die Campushalle FalkenseeAn der Scharenbergstraße wird also der neue Veranstaltungsklotz entstehen – über 100 Meter breit, 60 Meter tief und fast 14 Meter hoch. Bis zu 1200 Menschen fasst die Halle – und die wollen dorthin kommen und auch wieder weg. Und damit ist der nächste Diskussionspunkt vorprogrammiert. Wie?

Klar ist wohl auch, dass neben der neuen Halle die Scharenbergstraße weitergeführt wird – vorbei an der Europaschule mindestens bis zur Straße Am Gutspark (die kleine Stichstraße, die am Karyatis von der Bahnhofstraße abgeht.) Heiko Müller möchte dann noch ein Stück weiter geradeaus, über die Fläche hinweg, auf der heute noch die alte Stadthalle steht. Die Fahrbahn soll dann nach einer Kurve auf die Kreuzung Bahnhof-/ Seegefelder Straße treffen.

Dagegen regt sich Widerstand – unter anderem, weil damit der Seegefelder Anger zerschnitten und eine viel befahrene Straße direkt am Gutspark vorbeiführen würde. Der Bürgermeister argumentiert: Nur so könne der Busverkehr endlich besser geregelt und die Kreuzung Post-/ Bahnhofstraße entlastet werden, wo die Busse kaum um die Ecke kommen. Auch der Bring- und Abholverkehr der Europaschule sei so am besten zu regeln, denn, so Müller: “Es gibt nichts Undisziplinierteres als Mütter, die ihre Kinder bringen oder abholen.” (Hat er wirklich gesagt.)

Ich persönlich halte das für die praktischste Lösung, mit folgendem Argument: Da die Zwillingshalle ohnehin beschlossene Sache ist und zudem irgendwann auch das Bürgeramt seine Pforten öffnen wird, muss man dann nach den ersten Schritten auch den nächsten machen. Andere Lösungen würden die Verkehrsprobleme in dieser Ecke nur weiter verschärfen.

In der IG Zentrum wird das, so mein Empfinden, allerdings mehrheitlich anders gesehen. Vielfach ist davon die Rede, dass der Verkehr eher beruhigt werden muss und nach Möglichkeit aus dem Zentrum herausgehalten werden soll. Heiko Müller kündigte an, dass er für andere Varianten offen sei und zu diesem Thema sogar alle Falkenseer abstimmen lassen wolle.

Investoren und Parkplätze gesucht

GFalkensee, Scharenbergstraße: mögliche Bauflächenanz gleich, welcher Entwurf dann tatsächlich gebaut wird – ob daraus auch eine “Zentrumsqualität” entsteht, hängt sehr stark von den “begleitenden Maßnahmen” ab. Die entscheidende Frage wird sein, ob es gelingt, Investoren zu finden, die entlang der künftigen Straßen auch Geschäfts- und Wohnhäuser bauen. Laut Müller stehen die ersten Interessenten schon in den Startlöchern, die sich nach Bauflächen an der Scharenbergstraße erkundigt haben.

Parkplatz Scharenbergstraße, FalkenseeEin Problem, das alle Projekte gemeinsam haben, ist der Parkraum. Für den Bauantrag der Campushalle muss Heiko Müller zusätzliche Parkplätze nachweisen – wieviele genau, wird sich erst während der Bearbeitung des Antrags herausstellen. Projektiert werden diese Plätze zunächst auf dem Areal, wo heute die alte Stadthalle steht – man könne aber später noch auf andere Flächen wechseln, so Müller. Die neue Halle könne in Betrieb gehen, auch wenn die erforderlichen Plätze nicht sofort zur Verfügung stehen.

Auch künftige Investoren, die im Zentrum Gebäude errichten wollen, werden Parkplätze nachweisen müssen – so sind die Vorschriften. Wo die alle entstehen sollen, ist offen. In der Gesprächsrunde wurde auch angeregt, über ein Parkhaus oder Tiefgaragen nachzudenken. Unter die Erde zu gehen, ist allerdings in der Nähe der Bahnhofstraße (wie fast überall in Falkensee) aufgrund des hohen Grundwasserniveaus ein technisches und wirtschaftliches Problem.

Vergangenheit diktiert Zukunft

Es sind also noch einige entscheidende Fragen ungeklärt. Und die Visionäre in der Interessengemeinschaft fordern, dass die Stadt bereits jetzt anfängt, weiter in die Zukunft zu denken. In eine Zeit, in der sich der Individualverkehr dramatisch ändern wird, weil zum Beispiel Benzin astronomisch teuer wird. Warum soll Falkensee nicht Vorreiter sein bei der Entwicklung neuer Verkehrskonzepte?

Vorerst aber sieht die Stadtverwaltung die Aufgabe, die Konsequenzen aus früheren Planungen zu verarbeiten. Die Bahnhofstraße ist zu eng, kann aber in den nächsten Jahren nicht geändert werden, weil sonst EU-Fördermittel zurückgezahlt werden müssten. Das Bürgerbüro und die Zwillingshalle sind auf dem Weg und werden zusätzlichen Verkehr generieren, der bewältigt werden muss.

Und dann muss man hoffen, dass sich genügend Investoren finden, die zusätzliche Bebauung schaffen. Denn ohne weitere Angebote (und ohne weitere Anwohner) wird im “Zentrum” kein urbanes Leben entstehen. Und das wird, wenn es denn irgendwann passiert, noch Jahre dauern.

So wie in anderen Städten werde es in Falkensee ohnehin nie sein, betonte Müller. Seine Überzeugung: “Es ist kein klassisches Stadtzentrum und wird es nie werden. Aufgrund der früheren Dorfstruktur wird es immer ein anderes Stadtzentrum sein als woanders.”

Die Frage bleibt: Was für eins?

 

P.S.: Am kommenden Montag, dem 21.5. tagt um 18 Uhr der Stadtentwicklungsausschuss in einer Sondersitzung. Einziges Thema: “Vorstellung und Auswertung der Ergebnisse der Werkstatt „Zentrumsentwicklung Falkensee“ vom 21. April.” Ausnahmsweise sollen diesesmal die Spielregeln geändert werden: Die Besucher aus dem “gemeinen Volk” dürfen während der Sitzung mitreden.

 

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2 Responses to Campushalle kommt – und was noch?

  1. Klaus Pierow on 19. Mai 2012 at 00:04

    Hallo,
    ich finde diesen Blog hier toll – da steckt viel Arbeit drin!

    Auf der Website des Fördervereins der Lokalen Agenda 21 Falkensee e.V. (ja, so heißt er komplett) ist seit dem 18.5. der Bericht des Planungsbüros Staadt vom 21.4.2012 zu finden.

    Interessierte können sich diesen zur fachlichen Vorbereitung auf die Sondersitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 21.5. von unserer Website herunterladen:

    http://www.agenda21-falkensee.de/index.php/termine.html?day=20120521

    Klaus Pierow
    Schatzmeister und Webadministrator des Fördervereins

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